Es hätte ein historischer Moment für die europäische Raumfahrt werden können – und ganz besonders für das bayerische Start-up Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München. Am Sonntagmittag hob erstmals eine Rakete des Unternehmens vom europäischen Boden ab. Doch der große Traum vom erfolgreichen Jungfernflug der zweistufigen „Spectrum“-Rakete wurde jäh zerstört: Kurz nach dem Start stürzte das Trägersystem ab.
Gegen 12:30 Uhr deutscher Zeit verließ die Rakete planmäßig die Startrampe des Weltraumbahnhofs Andøya in Nordnorwegen. Millionen Zuschauer verfolgten das Ereignis live im Stream – und mussten wenige Sekunden später mit ansehen, wie die Rakete ins Trudeln geriet und unkontrolliert abstürzte. Eine detaillierte Fehleranalyse steht noch aus.
Hoffnung, Mut und Rückschläge
Die Spectrum war als Hoffnungsträger der europäischen privaten Raumfahrt konzipiert: Ein flexibles, kostengünstiges Trägersystem, entwickelt von einem jungen, hochambitionierten Team in Bayern. Der Testflug sollte nicht nur einen symbolischen Meilenstein markieren, sondern vor allem Daten und Erfahrungen für die Weiterentwicklung liefern.
Frühere Startversuche waren mehrmals wegen schlechter Wetterbedingungen verschoben worden. Umso größer war die Anspannung – und die Enttäuschung nach dem abrupten Ende des Fluges.
Kein Grund zum Aufgeben
Bei aller Enttäuschung: Rückschläge sind in der Raumfahrt keine Seltenheit. Auch Branchengrößen wie SpaceX, Rocket Lab oder Arianespace mussten schmerzhafte Fehlschläge einstecken, bevor Erfolge gefeiert werden konnten. Isar Aerospace betont, man werde die gesammelten Daten nun gründlich auswerten, um aus dem Fehlschlag zu lernen und „stärker zurückzukehren“.
Die Rakete war unbemannt, verletzt wurde niemand. Auch größere Schäden auf dem Testgelände wurden laut ersten Berichten nicht verzeichnet.
Ein nächster Schritt – wenn auch holprig
Trotz des Absturzes bleibt der Testflug ein Schritt nach vorne für die privat finanzierte Raumfahrt in Europa. Die internationale Raumfahrt blickt mit Spannung auf Unternehmen wie Isar Aerospace, die mit ihren Entwicklungen eine europäische Antwort auf das Wettrennen um kommerzielle Satellitenstarts liefern wollen.
Der Traum vom All lebt weiter – auch wenn der Weg dorthin heute etwas holpriger ausfiel.
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