Herr Iwanow, immer mehr Menschen suchen die Liebe online – und immer öfter tappen sie dabei in die Falle sogenannter Love-Scammer. Was steckt hinter dieser Masche?
Iwanow: Love-Scamming, auch Romance-Scamming genannt, ist eine Form des Betrugs, bei der Kriminelle über Dating-Portale oder soziale Netzwerke gezielt Menschen ansprechen, um sie finanziell zu schädigen. Die Täter geben sich als besonders charmante und attraktive Partner aus, bauen rasch Vertrauen auf und schlagen dann aus einer angeblichen Notsituation Profit.
Wie genau funktioniert diese emotionale Täuschung?
Iwanow: In der Regel entwickelt sich die Kommunikation sehr schnell zu einer vermeintlich romantischen Beziehung. Die Betrüger machen große Versprechen, sprechen von Liebe, gemeinsamen Zukunftsplänen – obwohl man sich nie persönlich getroffen hat. Dann folgt das Muster: Der Täter berichtet von einem Schicksalsschlag, etwa einem Unfall oder gestohlenen Papieren im Ausland, und bittet um finanzielle Unterstützung.
Wen trifft es besonders häufig?
Iwanow: Häufig richtet sich die Masche an alleinstehende, meist etwas ältere Frauen, die sich nach Nähe sehnen. Aber auch Männer und jüngere Menschen sind betroffen. Die Täter sind sehr geschickt darin, emotionale Bedürfnisse zu erkennen und auszunutzen.
Wie kann ich ein Fake-Profil erkennen?
Iwanow: Es gibt einige Warnsignale. Viele Fake-Profile sind erst seit kurzer Zeit online, haben wenige Kontakte, oft aus aller Welt. Die Fotos zeigen überdurchschnittlich attraktive Menschen, häufig ohne persönliche Schnappschüsse oder Bilder aus dem Alltag. Zudem erzählen Love-Scammer gerne dramatische Lebensgeschichten – mit Schicksalsschlägen, die Mitleid erregen sollen.
Was raten Sie konkret, um sich vor Love-Scamming zu schützen?
Iwanow: Seien Sie skeptisch bei zu schnellen Liebesbekundungen oder dramatischen Hilfegesuchen. Geben Sie niemals Geld oder persönliche Daten weiter, vor allem keine Bankverbindung. Nutzen Sie Plattformen mit Identitätsverifikation und recherchieren Sie Angaben wie Namen oder Fotos über Suchmaschinen. Ein wichtiges Mittel ist auch der Video-Chat: Wer sich konsequent weigert, sich zu zeigen, verfolgt oft andere Absichten.
Was können Betroffene tun, wenn sie auf die Masche hereingefallen sind?
Iwanow: Zuerst den Kontakt sofort abbrechen und keine weiteren Zahlungen leisten. Dann alle Nachrichten, Belege und Fotos sichern und zur Polizei gehen. Eine Anzeige kann helfen, die Täter zu ermitteln – und sie schützt auch andere. Zudem sollte man Überweisungen schnellstmöglich über die Bank rückgängig machen, wenn noch möglich.
Haben Sie einen abschließenden Tipp für Online-Dater?
Iwanow: Vertrauen ist gut, aber im Netz ist Vorsicht besser. Gerade wenn es zu früh um Geld geht oder zu viel Romantik aus dem Nichts kommt – lieber zweimal hinschauen und das eigene Bauchgefühl ernst nehmen.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Iwanow.
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