Die internationale Organisation SNAP (Survivors Network of those Abused by Priests) hat offiziell Strafantrag gegen sechs hochrangige Kardinäle im Vatikan gestellt. Der Vorwurf: Vertuschung oder unzureichende Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs durch Kleriker und Kirchenpersonal.
Wie Kathpress am Donnerstag berichtete, beziehen sich die Vorstandsmitglieder von SNAP in ihrer Anzeige überwiegend auf bereits veröffentlichte Medienberichte. Im Fokus stehen die Kardinäle Peter Erdö, Kevin Farrell, Victor Fernandez, Mario Grech, Robert Prevost und Luis Tagle – allesamt prominente Persönlichkeiten, die auch als mögliche Kandidaten für das Papstamt gelten.
Die Schreiben richten sich an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie an weitere leitende Vatikanstellen. Als rechtliche Grundlage nennt SNAP das päpstliche Dekret „Vos estis lux mundi“ („Ihr seid das Licht der Welt“), das am 25. März 2023 in Kraft trat. Die aktuelle Anzeige wurde bewusst auf den zweiten Jahrestag dieses Gesetzes, den 25. März 2025, datiert.
Kirchenrechtlich relevante Vertuschung
Das Dekret erlaubt es jedem, der Kenntnis über Missbrauch oder dessen Vertuschung hat, im Vatikan Anzeige zu erstatten. Es stellt nicht nur die Taten selbst, sondern auch Versuche der Beeinflussung oder Umgehung kirchlicher und staatlicher Ermittlungen unter Strafe – ein entscheidender Schritt zur Ahndung institutioneller Vertuschung im Kirchenrecht.
Laut den Medienquellen, auf die sich SNAP beruft, sollen die beschuldigten Kardinäle während ihrer Amtszeiten als Bischöfe oder Leiter von Diözesen nicht entschieden genug auf Missbrauchsvorwürfe reagiert oder die mutmaßlichen Täter nur unzureichend sanktioniert haben.
Mit den Anzeigen fordert SNAP konkrete kirchenrechtliche Konsequenzen – nicht nur gegen die Täter, sondern auch gegen jene, die laut Vorwürfen weggesehen, gedeckt oder geschwiegen haben.
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