Ein brisanter Gruppenchat auf der Messenger-App Signal bringt die US-Sicherheitsbehörden in Aufruhr – und die Regierung von Donald Trump in Erklärungsnot. Wie CNN berichtet, haben hochrangige Mitglieder der Trump-Administration, darunter Sicherheitsberater Mike Waltz und CIA-Direktor John Ratcliffe, sensible Informationen über geplante Luftschläge gegen Houthi-Stellungen im Jemen in einem ungesicherten Gruppenchat ausgetauscht. Besonders heikel: Auch Jeffrey Goldberg, Chefredakteur des Magazins The Atlantic, war offenbar versehentlich in die Chatgruppe aufgenommen worden.
Brisante Inhalte: CIA-Operationen offengelegt?
Laut Insidern enthielten die Nachrichten von Waltz und Ratcliffe Details, die das nachrichtendienstliche Vorgehen gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Milizen offenlegen – darunter Informationen über Überwachungsmaßnahmen, Zielpersonen und technische Aufklärungsmethoden.
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Ratcliffe schrieb, dass die CIA gerade dabei sei, „Assets“ zur Informationsgewinnung zu mobilisieren. Die Rede war von möglichen „Startpunkten“ zur Überwachung der Houthi-Führung – ein Begriff, den Experten als Hinweis auf technische Aufklärung durch Satelliten oder Drohnen interpretieren.
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Waltz berichtete nach einem Angriff von einem „positiven Identifikationssignal“ eines hochrangigen Houthi-Führers – inklusive Aufenthaltsort. Ein Geschenk für gegnerische Analysten.
Ein früherer CIA-Mitarbeiter kommentierte: „Die Houthis waren schon immer schwer zu verfolgen – jetzt haben wir ihnen praktisch gezeigt, wie wir es tun.“
Offene Kritik aus Geheimdienstkreisen
Obwohl Ratcliffe und Waltz betonen, dass keine „klassifizierten Informationen“ geteilt wurden, widersprechen zahlreiche aktuelle und ehemalige US-Beamte entschieden. Schon die Andeutung von Methoden und Quellen gelte im Nachrichtendienst als No-Go – gerade in einem unverschlüsselten Gruppenchat auf einem kommerziellen Dienst wie Signal.
Ein CIA-Offizieller nannte Ratcliffes Verhalten „verantwortungslos“ und betonte: „Er ist der Direktor – er sollte es besser wissen.“
Signal: sicher, aber nicht für geheime Einsätze
Signal gilt zwar als sicherste kommerzielle Messaging-App, ist aber nicht für klassifizierte Kommunikation zugelassen. Besonders brisant: Die Nutzung auf Dienstrechnern wurde erst im Vorjahr offiziell erlaubt – allerdings nur für organisatorische Details, nicht für Einsatzinformationen.
Die CIA erteilte dem betroffenen Team laut CNN intern eine „freundliche Erinnerung“, dass Signal keine Alternative zu abhörsicheren Systemen wie SCIFs ist (spezielle Räume für Gespräche mit Geheimhaltungsstufe).
Versehentlicher Leak? Waltz übernimmt Verantwortung – und teilt aus
Waltz übernahm im Interview mit Fox News öffentlich die Verantwortung für den Vorfall – immerhin hatte er die Chatgruppe eingerichtet. Gleichzeitig schob er jedoch die Schuld teils auf einen „veralteten Telefonbucheintrag“ und nutzte die Gelegenheit, den Journalisten Goldberg verbal anzugreifen.
Präsident Trump selbst äußerte Zweifel an der App Signal („defekt“), ohne jedoch eine Überprüfung der Sicherheitsrichtlinien anzukündigen. Das Verteidigungsministerium will bisher keine Änderungen an Sicherheitsprotokollen vornehmen – man wolle „nicht den Eindruck erwecken, Fehler gemacht zu haben“.
Konsequenzen? Bisher keine
Weder die CIA noch das Pentagon haben bislang eine formelle Schadensanalyse eingeleitet. Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für die laxe Haltung der Trump-Regierung gegenüber sicherheitsrelevanter Kommunikation.
John Ratcliffe räumte in einer Anhörung immerhin ein, dass „vorbereitende Angriffsdebatten eigentlich über klassifizierte Kanäle geführt werden sollten“ – eine seltene, indirekte Bestätigung des Fehlverhaltens.
Fazit:
Ein Gruppenchat, der wie ein Szenario aus einem schlechten Agentenfilm klingt, sorgt nun für politischen und sicherheitstechnischen Wirbel. Dass hochrangige Sicherheitsbeamte über eine App wie Signal taktische Details austauschen – und dabei versehentlich einen Journalisten einladen – dürfte in Lehrbüchern für Geheimdienstkommunikation künftig als Negativbeispiel auftauchen.
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