Wall Street verliert die Geduld mit Tesla – und mit Musk
Elon Musk ist derzeit überall – nur nicht da, wo er am dringendsten gebraucht wird: an der Spitze seines angeschlagenen Elektroautounternehmens.
Tesla ist aktuell das schlechteste Unternehmen im S&P 500-Index. Die Verkaufszahlen brechen weltweit ein, der Gebrauchtwagenmarkt in den USA kollabiert und der futuristische Cybertruck muss wegen eines Konstruktionsfehlers zurückgerufen werden – eine äußere Verkleidung kann während der Fahrt abfallen. Zusätzlich hat eine Analyse der Financial Times ergeben, dass rund 1,4 Milliarden Dollar aus Teslas Bilanz auf mysteriöse Weise verschwunden sind.
Doch die finanziellen Probleme sind nur ein Teil der Krise. Tesla war einst das Statussymbol umweltbewusster, progressiver Großstädter. Heute scheint sich das Unternehmen zunehmend als Lieblingsmarke einer autoritär-rechten Bewegung zu positionieren – mit entsprechenden Folgen für sein Image.
Investoren schlagen Alarm
Selbst eingefleischte Tesla-Fans verlieren allmählich die Geduld. Der bekannte Analyst Dan Ives von Wedbush Securities – lange einer der größten Tesla-Befürworter – warnte in einer Mitteilung an Investoren:
„Tesla steckt in einer Krise, und es gibt nur eine Person, die sie lösen kann: Musk. Tesla ist Musk, und Musk ist Tesla. Sie sind untrennbar miteinander verbunden.“
Doch wo steckt der CEO? Ives kritisierte, Musk verbringe „110 % seiner Zeit mit DOGE“ – eine Anspielung auf Musks Vorliebe für die Kryptowährung Dogecoin – anstatt sich um Tesla zu kümmern.
Auch der Tesla-Investor Ross Gerber von Gerber Kawasaki Wealth and Investment Management kritisierte Musk scharf und forderte in einem Interview mit Bloomberg News, das Tesla-Board solle endlich nach einem neuen CEO suchen.
Tesla selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Musk bleibt abwesend – und die Probleme wachsen
Am Donnerstagabend wandte sich Musk in einer internen Versammlung an seine Mitarbeiter. Er sprach von „stürmischen Zeiten“ für Tesla, wiederholte jedoch seine altbekannte Behauptung, das Unternehmen sei auf dem besten Weg, vollständig autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Zudem riet er seinen Angestellten, an ihren Tesla-Aktien festzuhalten.
Doch diese Durchhalteparolen könnten nicht ausreichen.
Warum Tesla wirklich fällt
Über Jahre hinweg haben Anleger Musks Eskapaden – von rassistischen Tweets über Corona-Fehlinformationen bis hin zu öffentlichen Beschimpfungen von Geschäftspartnern – toleriert. Solange Tesla unangefochtener Marktführer war, spielte Musks Verhalten für Investoren keine große Rolle.
Doch die Konkurrenz holt auf, Tesla verliert Marktanteile – und das Unternehmen selbst hat seit Jahren keine echten Innovationen mehr geliefert. All das sorgt für einen dramatischen Wertverlust der Aktie, die seit Dezember bereits die Hälfte ihres Werts eingebüßt hat.
Politik kann Tesla nicht retten
Nicht einmal Unterstützung aus höchsten Regierungskreisen konnte den Tesla-Abwärtstrend stoppen. Handelsminister Howard Lutnick forderte in einer Fox News-Sendung die Zuschauer offen auf, Tesla-Aktien zu kaufen – eine möglicherweise problematische Aussage, die gegen Ethikregeln verstoßen könnte. Dennoch fiel die Aktie weiter.
Sogar Ex-Präsident Donald Trump versuchte kürzlich, Tesla zu pushen, als er das Unternehmen überraschend auf dem Rasen des Weißen Hauses lobte. Die Aktien stiegen kurzzeitig – doch der Effekt verpuffte schnell.
Fazit: Musk vernachlässigt sein eigenes Imperium
Elon Musk, dessen Vermögen direkt mit seinem 13-prozentigen Tesla-Anteil verknüpft ist, scheint derzeit andere Prioritäten zu haben. Während er sich in Washington als politischer Strippenzieher inszeniert, gerät sein eigentliches Unternehmen immer tiefer in die Krise.
Sollte Musk nicht bald wieder die Kontrolle übernehmen, könnte Tesla den Sturzflug der letzten Monate nicht mehr aufhalten.
Kommentar hinterlassen