US-Präsident Donald Trump drängt Indien, endlich amerikanischen Mais zu importieren – doch ein Entgegenkommen aus Neu-Delhi ist derzeit unwahrscheinlich. Grund sind tiefgreifende Unterschiede in den Agrarstrukturen beider Länder sowie Indiens entschiedene Haltung zum Schutz seiner landwirtschaftlichen Märkte.
US-Kritik an Indiens Handelspraktiken
In den USA wächst der Unmut über Indiens Handelspolitik. US-Handelsminister Howard Lutnick warf der Regierung in Neu-Delhi zuletzt vor, amerikanische Agrarprodukte durch hohe Zölle und strikte Einfuhrregeln faktisch auszuschließen. So liege der durchschnittliche Zollsatz auf US-Agrarimporte in Indien laut dem Thinktank Global Trade Research Initiative (GTRI) bei 37,7 %, während indische Produkte in den USA nur mit 5,3 % besteuert würden.
Die USA sehen insbesondere bei Getreide, Mais, Baumwolle und gentechnisch veränderten Produkten großes Exportpotenzial – und drängen darauf, diese Märkte zu öffnen. Hintergrund ist ein Handelsdefizit von rund 45 Milliarden Dollar, das Washington mit Indien abbauen möchte. Trump hat für den 2. April eine neue Runde „reziproker“ Strafzölle angekündigt, mit denen er Handelspartner unter Druck setzen will.
Indien: Selbstversorger mit Schutzreflex
Indien hingegen verfolgt eine andere Agenda. Das Land hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer Mangelwirtschaft zu einem landwirtschaftlichen Überschussproduzenten entwickelt – mit Rekorden bei Milch, Reis, Fischerei und Obst. Über 700 Millionen Menschen hängen direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab, viele von ihnen sind Kleinbauern mit weniger als einem Hektar Land.
Obwohl Indien heute der achtgrößte Agrar-Exporteur der Welt ist, bleibt die Produktivität im internationalen Vergleich niedrig. Geringe Investitionen, veraltete Technik und der Klimawandel stellen zusätzliche Herausforderungen dar. Daher schützt die Regierung ihre Bauern durch hohe Zölle, Mindestpreise und staatliche Subventionen – und blockiert Importe, die den Binnenmarkt destabilisieren könnten.
Asymmetrie zwischen US- und indischer Landwirtschaft
Experten betonen, dass es sich um zwei vollkommen unterschiedliche Agrarsysteme handelt: In den USA ist die Landwirtschaft hochindustrialisiert und stark subventioniert – teils über 100 % der Produktionskosten. In Indien dagegen dominiert die subsistenznahe, arbeitsintensive Kleinproduktion, oft mit prekären Einkommen. Eine Marktöffnung könnte Millionen von Existenzen gefährden, warnt Ajay Srivastava vom GTRI.
Auch gentechnisch veränderte Produkte und US-Milcherzeugnisse, die Washington exportieren möchte, stoßen in Indien auf Widerstand – aus wirtschaftlichen, aber auch kulturellen Gründen.
Verhandlungen mit Fingerspitzengefühl
Ein umfassendes Handelsabkommen zwischen den USA und Indien wird derzeit verhandelt – doch Landwirtschaft bleibt der größte Streitpunkt. Der frühere WTO-Experte Abhijit Das betont, Indien müsse „hart verhandeln und rote Linien ziehen, um die eigene Ernährungssouveränität und ländliche Wirtschaft zu schützen“.
Ein möglicher Kompromiss, so meinen Beobachter, könnte darin bestehen, den USA Zugeständnisse bei Industriegütern zu machen – etwa bei Maschinen oder Fahrzeugteilen – und gleichzeitig den Agrarsektor weitgehend auszuklammern.
Modernisierung als Langfristziel
Langfristig müsse Indien jedoch seine Landwirtschaft modernisieren, Investitionen erhöhen und Produktivität steigern, so der Agrarökonom Unupom Kausik. Mit globalen Höchsterträgen könne das Land bis zu 200 Millionen Tonnen Reisüberschuss erzeugen – ein Potenzial, das nicht nur den Export stärken, sondern auch Hunger weltweit lindern könnte.
„Trump hält uns gewissermaßen den Spiegel vor“, sagt Handelsexperte Biswajit Dhar. „Wir haben zu wenig in unsere Landwirtschaft investiert. Im Moment ist Zeitgewinn die beste Strategie – und ein klares Nein zu Mais aus Iowa.“
Ob Trump bereit ist, diesen Geduldsprozess mitzutragen, bleibt offen.
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