Kurz vor dem von Donald Trump ausgerufenen „Befreiungstag“ am 2. April, an dem die US-Regierung eine neue Runde von Strafzöllen gegen internationale Handelspartner ankündigen will, wächst in China die Sorge vor einer erneuten Eskalation im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten. Peking zeigt sich gesprächsbereit – aber ebenso entschlossen, im Ernstfall entschlossen zu reagieren.
Trumps Taktik: Druck durch Unsicherheit
Trump hatte bereits im Wahlkampf Zölle von bis zu 60 % auf chinesische Importe in Aussicht gestellt – eine Drohung, die nun konkreter wird. Gleichzeitig schickte er in den letzten Tagen widersprüchliche Signale: So stellte er eine mögliche Reduzierung der Zölle auf chinesische Produkte in Aussicht, sollte Peking beim geplanten Verkauf der Plattform TikTok an ein US-Unternehmen mitspielen.
Diese Strategie der Unberechenbarkeit sorgt nicht nur in China für Nervosität. Auch Börsen in Japan und Südkorea reagierten mit deutlichen Verlusten – besonders betroffen sind Autobauer, deren Exporte von neuen US-Zöllen betroffen sein könnten.
China zwischen Diplomatie und Konfrontation
Die chinesische Regierung zeigt sich grundsätzlich offen für Dialog. Ein Sprecher des Außenministeriums rief Washington zuletzt auf, „rasch zum Weg der Zusammenarbeit zurückzukehren“. Doch zugleich machte Peking deutlich: Sollte es zu einer Eskalation kommen, sei man „bereit, bis zum Ende zu kämpfen“ – ob im Zollstreit, im Handel oder auf anderen Ebenen.
Beim jüngsten Treffen zwischen US-Handelsvertreter Jamieson Greer und Chinas Vizepremier He Lifeng äußerte die chinesische Seite scharfe Kritik an bestehenden und drohenden US-Zöllen. Sollte Washington „Chinas Interessen weiterhin schädigen“, werde es eine „entschlossene Gegenreaktion“ geben, so He laut chinesischen Staatsmedien.
Beijing stärkt rechtliche Gegenmaßnahmen
China hat unterdessen bereits begonnen, seine Werkzeuge zur Gegenwehr zu schärfen. Premierminister Li Qiang unterzeichnete kürzlich eine Verschärfung des sogenannten „Anti-Sanktions-Gesetzes“, das gezielte Gegenmaßnahmen gegen ausländische Regierungen erlaubt. Zudem wurden Exportkontrollen auf strategische Rohstoffe wie Gallium und Germanium verschärft – wichtige Materialien für die Rüstungs- und Hightechindustrie.
Globaler Machtkampf mit Folgen für die Weltwirtschaft
Beobachter wie Scott Kennedy vom Washingtoner Thinktank CSIS sehen die Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt an einem Wendepunkt. Ein erneuter Handelskrieg – oder gar ein schleichendes wirtschaftliches Entkoppeln beider Volkswirtschaften – könnte globale Lieferketten ins Wanken bringen und zu einer weltweiten Wachstumsbremse werden.
„Es könnte zu einem teilweisen wirtschaftlichen Bruch kommen, der beiden Seiten wehtut“, warnte Kennedy beim globalen Wirtschaftsforum in Peking.
Peking setzt auf Multilateralismus – und auf Zeit
Chinas Präsident Xi Jinping positionierte sich zuletzt bei einem Treffen mit globalen Wirtschaftsvertretern als Verfechter offener Märkte und globaler Zusammenarbeit. „Entkopplung und die Zerstörung von Lieferketten schaden allen“, sagte Xi – ein indirekter Seitenhieb auf Trumps „America First“-Strategie. China bemüht sich gezielt um neue Partner in Europa und Asien, um Abhängigkeiten von den USA zu reduzieren.
Zugleich setzt Peking auf Verhandlungen – aber nicht zu jedem Preis. Laut Analystin Yun Sun vom Stimson Center in Washington bevorzugt China umfassende „Paketlösungen“ statt isolierter Einzelthemen. Peking werde keine „einseitigen Zugeständnisse“ machen – und als Weltmacht auch nicht einknicken.
Trump baut Druck auf – auch mit Blick auf die Präsidentschaftswahl
Trump wiederum verfolgt nach Einschätzung von Beobachtern eine Strategie des maximalen Drucks: Erst wenn der Handelsgegner unter Spannung steht, sei ein aus US-Sicht vorteilhaftes Abkommen möglich. Bereits jetzt habe Trump mit Zöllen auf chinesische Waren in Milliardenhöhe eine „Neuordnung“ der wirtschaftlichen Beziehungen eingeleitet, sagen seine Unterstützer.
Ein Deal ist möglich – aber weit entfernt
Trotz aller Spannungen gibt es auf beiden Seiten Interessen an einem Abkommen. Doch die Bedingungen dafür sind schwierig. Washington fordert unter anderem stärkere Maßnahmen gegen den Export von Fentanyl-Vorprodukten aus China. Peking wiederum pocht auf einen Abbau von US-Beschränkungen in der Hochtechnologie und eine gemäßigtere Taiwan-Politik.
Ob es zu einem „großen Deal“ kommt, bleibt offen. Denkbar sei auch ein symbolisches Ergebnis, das beiden Seiten innenpolitisch als Erfolg verkauft werden könne, so Ex-Diplomat Kurt Tong.
Eines scheint jedoch sicher: Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein – nicht nur für das Verhältnis zwischen den USA und China, sondern für das Gleichgewicht in der globalen Wirtschaft insgesamt.
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