Die Entscheidung der US-Regierung, große Teile ihrer Auslandshilfe – darunter auch lebenswichtige HIV-Programme – zu pausieren, könnte verheerende globale Folgen haben.
Laut Winnie Byanyima, Exekutivdirektorin von UNAids, drohen infolge der US-Kürzungen in den kommenden vier Jahren über sechs Millionen zusätzliche HIV-Tote und täglich rund 2.000 Neuinfektionen.
Jahrzehntelanger Fortschritt in Gefahr
Seit dem Höhepunkt der HIV-Krise im Jahr 2004, als über zwei Millionen Menschen weltweit an Aids starben, konnten die Todeszahlen bis 2023 auf rund 600.000 pro Jahr gesenkt werden. Dieser Fortschritt ist nun massiv gefährdet.
Byanyima äußerte sich am Montag in Genf deutlich: Die bereits umgesetzten Kürzungen zeigten „verheerende Auswirkungen“, insbesondere für Frauen und Kinder. Zahlreiche Kliniken für Mütter und Babys in Afrika mussten schließen, und es kommt zu akuten Engpässen bei lebenswichtigen HIV-Medikamenten.
USAID-Programme gestoppt – WHO und UNAids alarmiert
Die Kürzungen sind Teil einer umfassenden Haushaltsevaluierung, die Präsident Donald Trump bereits an seinem ersten Amtstag im Januar eingeleitet hatte. In der Folge wurden viele Projekte der US-Entwicklungshilfeagentur USAID gestoppt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass in Ländern wie Nigeria, Kenia, Haiti oder der Ukraine bereits bald die Medikamente ausgehen könnten. WHO-Chef Tedros Ghebreyesus spricht von einer möglichen „Zerstörung von 20 Jahren Fortschritt“.
Auch die südafrikanische AIDS-Aktivistin Sibongile Tshabalala vom Treatment Action Campaign (TAC) sagte:
„Wir dürfen nicht zurück in die Zeiten, in denen Menschen mit HIV vergeblich auf Behandlung warteten.“
Angebot an Washington: Profitieren statt kürzen?
UNAids-Direktorin Byanyima zeigt sich grundsätzlich offen für eine schrittweise Reduktion der US-Hilfe – kritisiert jedoch die abrupte Einstellung als lebensbedrohlich. Sie schlug sogar einen Deal vor: Die USA könnten das neue Medikament Lenacapavir des US-Pharmakonzerns Gilead international vermarkten – ein Präparat, das nur zweimal im Jahr gespritzt werden muss.
„Zehn Millionen Menschen könnten davon profitieren – und die USA wirtschaftlich ebenso“, so Byanyima.
Auch andere UN-Programme betroffen
Die HIV-Hilfe ist nicht allein. Weitere UN-Organisationen leiden massiv unter den globalen Mittelstreichungen:
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Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR muss womöglich bis zu 6.000 Stellen abbauen.
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UNICEF warnt vor einem Rückschlag bei der Senkung der Kindersterblichkeit.
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Das Welternährungsprogramm (WFP) musste Rationen in Hungersnöten kürzen.
Fazit:
Die Kürzungspolitik der US-Regierung trifft Millionen Menschen im Globalen Süden – und stellt die globale HIV-Bekämpfung vor einen historischen Rückschritt. Experten sehen in der Entscheidung nicht nur eine humanitäre Krise, sondern auch ein moralisches Versagen der Weltgemeinschaft, die bisher nicht bereit ist, die entstehende Lücke zu schließen.
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