Die jüngsten Sonderwahlen in Wisconsin und Florida gelten als erstes politisches Stimmungsbild seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus. Besonders im Fokus: das Rennen um einen Sitz am Obersten Gerichtshof von Wisconsin sowie zwei Nachwahl-Siege der Republikaner in traditionell konservativen Bezirken in Florida. Trotz republikanischer Siege dort, zeigen die Ergebnisse, dass die politische Lage in den USA auch 2025 alles andere als stabil ist.
1. Demokratischer Überraschungssieg in Wisconsin
Die liberale Richterin Susan Crawford gewann überraschend gegen den konservativen Trump-Anhänger Brad Schimel – trotz massiver finanzieller Unterstützung durch Tech-Milliardär Elon Musk. Die Wahl hat weitreichende Bedeutung: Die liberale Mehrheit am Wisconsin Supreme Court (4:3) bleibt bestehen und könnte bei Themen wie Abtreibung, Wahlrecht und der Neuziehung von Wahlkreisen entscheidend sein.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich gegen den reichsten Mann der Welt für Gerechtigkeit kämpfen würde – und wir haben gewonnen“, sagte Crawford.
2. Elon Musk verliert politisch an Boden
Musk, inzwischen enger Berater Trumps und Großspender republikanischer Kampagnen, investierte allein in Wisconsin über 20 Millionen US-Dollar. Doch seine massive Einflussnahme zeigte keinen Effekt – im Gegenteil: Demokratische Gruppen nutzten seine Präsenz, um ihn als Symbol wirtschaftlicher Ungerechtigkeit darzustellen. Die Frage, ob Musk langfristig ein effektives politisches Sprachrohr für Trump sein kann, ist offener denn je.
3. Wahlrechtsänderung: Wähler-ID wird Verfassungsrecht in Wisconsin
Trotz des Erfolgs der Demokraten auf Gerichtsebene stimmte die Bevölkerung von Wisconsin mit großer Mehrheit für eine Verfassungsänderung, die das Vorzeigen eines Lichtbildausweises zur Pflicht macht – bei persönlichen wie auch bei Briefwahlen. Kritiker sehen darin eine Einschränkung des Wahlrechts für benachteiligte Gruppen. Dennoch zeigte eine Umfrage der Marquette University: 73 % der Wähler befürworten die Maßnahme.
4. Wisconsin bleibt ein politisch gespaltenes „Swing State“
Die Resultate zeigen ein gemischtes Bild: Auf der einen Seite ein demokratischer Sieg trotz enormer konservativer Mittel, auf der anderen Seite konservative Wahlrechtsinitiativen mit breiter Zustimmung. Auch wenn Trump Wisconsin 2024 knapp gewonnen hat, bleibt der Bundesstaat hochgradig umkämpft – und könnte bei kommenden Wahlen erneut zur Schlüsselrolle werden.
5. Republikaner gewinnen in Florida – aber mit Einbußen
In Florida konnten die Republikaner zwar zwei Nachwahl-Sitze im Repräsentantenhaus verteidigen, doch die Siegmargen schrumpften deutlich. In Bezirken, die Trump zuletzt mit über 30 Punkten Vorsprung gewonnen hatte, lagen die republikanischen Kandidaten diesmal nur knapp vorne – ein Warnsignal für die kommenden Zwischenwahlen 2026.
6. Demokraten legen in Florida überdurchschnittlich zu
Trotz der Niederlagen in Florida machten die Demokraten deutlich Boden gut. In beiden Bezirken konnten sie die republikanische Dominanz halbieren – und das trotz massiver finanzieller Unterlegenheit. Vor allem im 6. Distrikt gewann der Republikaner Randy Fine nur mit knapp 14 Prozentpunkten Vorsprung, obwohl sein demokratischer Herausforderer ihn im Spendenaufkommen 10 zu 1 übertraf.
„Der Präsident musste sich persönlich einschalten, um ihn über die Ziellinie zu ziehen“, so der demokratische Kandidat Josh Weil über Fines Sieg.
7. Trumps vollständige Kontrolle über die Republikaner in Florida
Die beiden neu gewählten Abgeordneten in Florida, Patronis und Fine, gelten als direkte Verbündete Trumps. Beide wurden von ihm persönlich unterstützt – während Floridas Gouverneur Ron DeSantis sich bewusst aus dem Wahlkampf heraushielt. Trump hat damit seine Machtbasis im eigenen Heimatstaat erneut gestärkt und DeSantis weiter marginalisiert. Beobachter sehen darin eine Vorbereitung für die nächste Gouverneurswahl – in der sowohl Byron Donalds (Trump-Favorit) als auch Casey DeSantis (die First Lady Floridas) als mögliche Kandidaten gehandelt werden.
Fazit: Frühindikator für die Zwischenwahlen 2026
Die Sonderwahlen liefern wichtige Erkenntnisse für die kommenden Monate: Trump und seine Unterstützer bleiben einflussreich, doch ihre Strategie gerät unter Druck – besonders dort, wo kein charismatischer Trump-Effekt direkt auf dem Wahlzettel steht. Die Demokraten schöpfen Hoffnung aus überdurchschnittlichen Ergebnissen – auch in traditionell konservativen Regionen.
Der nächste große Test: Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey im November 2025.
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