Von all den Mitteln, mit denen sich Macht demonstrieren lässt – rote Teppiche, goldene Vorhänge, scharfe Worte – ist wohl kaum eines so subtil wie eine neue Sitzordnung. Und doch arbeitet genau daran gerade die US-Regierung unter Donald Trump: Das Weiße Haus plant, die Sitzverteilung im berühmten Briefing Room zu übernehmen. Eine kleine Änderung, die alles bedeutet.
Man könnte lachen, wenn es nicht so ernst wäre. Wer wo sitzt, ist doch Kindergarten, oder? Doch wer sich im politischen Washington auskennt, weiß: Die Plätze im Pressebriefing-Raum sind nicht nur Stühle – sie sind ein Abbild demokratischer Kultur. Und genau deshalb sind sie jetzt in Gefahr.
Seit Jahrzehnten organisiert die White House Correspondents‘ Association (WHCA) diese Sitzverteilung. Sie ist unabhängig, journalistisch, gewählt. Sie garantiert, dass Platz gemacht wird für Vielfalt – für große Fernsehsender genauso wie für regionale Zeitungen oder internationale Agenturen. Kurz: Sie sichert Zugänge – und damit die Freiheit, Fragen zu stellen, auch unbequeme.
Dass Trump dieses System nun kippen will, überrascht nicht. Seit seinem Wiedereinzug ins Amt geht es nicht nur um Inhalte, sondern immer auch um die Bühne selbst: Wer darf mitspielen, wer muss raus? Schon im Februar wurde die Nachrichtenagentur AP aus dem Pool ausgeschlossen, CNN aus dem Pentagon gedrängt. Und während große Medien verdrängt werden, zieht man rechte Blogger und Meinungsportale nach vorn.
Die Message ist klar: Wer freundlich berichtet, bekommt einen Platz. Wer kritisch ist, steht hinten. Oder draußen.
Dabei geht es – wie so oft bei Trump – nicht um Transparenz, sondern um Kontrolle. Wer die Sitzordnung kontrolliert, entscheidet mit, welche Fragen gestellt werden – und von wem. Das ist keine Marginalie, das ist ein Angriff auf journalistische Unabhängigkeit. Die Presse wird nicht zensiert, aber sie wird verschoben, verdrängt, verdrängt, verdrängt.
Natürlich, die Sitzordnung allein wird die amerikanische Demokratie nicht kippen. Aber sie ist ein Symptom. Ein weiteres Signal, dass politische Macht längst wieder beginnt, die Rahmenbedingungen selbst zu gestalten – Regeln, die eigentlich überparteilich sein sollten.
Am Ende stellt sich eine einfache Frage: Wenn die Regierung bestimmt, wer fragen darf, ist es dann überhaupt noch eine freie Presse – oder bloß eine inszenierte Kulisse?
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